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Anschubsen – Nudging

Nudging (englischer Begriff, ausgesprochen: nadsching), ist sinngemäß das Anschubsen von Menschen, damit sie etwas freiwillig tun, was sie eigentlich nicht bzw. ungern tun würden. Es ist als Technik ähnlich wichtig wie das Priming und Framing. Auf Wikipedia finden Sie dazu gute Begriffsbestimmungen.

Auch bei uns im Dorfe machen sich vorallem junge Einwohner um den verstärkten Einsatz dieser Techniken große Sorgen. Nicht nur per whatsapp wurde ich wiederholt gefragt, welche Meinung ich u. a. zum sog. Strategiepapier habe. Nun denn, ich betrachte das mal ohne die Kategorien “gut” und “böse”. Ich bin Realist. Im Strategiepapier wird das Nudging aber wirklich bestmöglichst zelebriert, alle Achtung! Es gibt nur einen “vertretbaren” Ausweg. Ok.

Fast alles ist heutzutage “optimal” voreingestellt/vorgegeben. Nunja, der Mensch sei nicht immer in der Lage, die optimale Entscheidung zu treffen, habe ich auf Wikipedia gelesen. Auch die Wirtschaftsforschung zeige wohl, dass Menschen sich in vielen Situationen anders verhalten, als es die Theorie der rationalen Nutzenmaximierung vorhersagt. Durch Nudging kann das “korrigiert” werden.

Eine tolle Technik, dieses Nudging. Das gibts nicht nur vom Staat verordnet, nicht dass sie mich falsch verstehen. Viele Menschen wissen, was Facebook mit den freiwillig zur Verfügung gestellten Daten macht. Facebook verdient Geld und sie nutzen die soziale Plattform zur Interaktion. Das ist weder schlimm noch allgemein zu kritisieren. Beide haben scheinbar etwas davon. Aber was wäre, wenn sie Facebook “erlaubt” hätten, alles von sich zu verarbeiten?

Ich kritisiere schon länger, dass viele Nutzer nicht von den Standardeinstellungen (Defaults) abweichen, die Facebook ‘vorgibt’. Dadurch hat Facebook viel mehr Vorteile, als Nutzer Facebook zugestehen würden, wenn man sie umfassend aufgeklärt hätte. Manche wissen nicht einmal um ihre Möglichkeiten, (fast) alles einstellen und verbieten zu können, was sie nicht wollen, wie zum Beispiel auch im Browser. Das ist ja gerade das Besondere am Nudging. Ähnlich funktioniert es bei Diensten von Google und anderen, die wir täglich nutzen. Nudging ist eine allgegenwärtige Technik. Alternativlos war gestern, heute wird auf die beeinflusste Freiwilligkeit gesetzt, natürlich nur zu unserem Besten. Wirtschaftsökonomen und Wissenschaftler wissen, was Sie wollen!

Lockdown/Shutdown weiterhin angemessen?

Beim aktuellen “Lockdown/Shutdown” wurde offenbar ein sehr großer Nudge eingesetzt. Ob das oben verlinkte Strategiepapier nun – rein zufällig – fast 1 zu 1 als Blaupause diente, kann dahingestellt bleiben. Ich finde es jedenfalls bemerkenswert, dass die Exekutive es in allen 16 Bundesländern geschafft hat, dass sich Millionenen Menschen in Deutschland jeden Alters und jeder Vorbildung wegen einem Virus seit März 2020 “freiwillig” in häusliche Quarantäne begeben und auf etliche Grundrechte verzichtet haben. Und noch eine ganze Woche weiter darauf verzichten werden, wegen einem Virus.

Einem Virus, dass laut RKI eine Sterblichkeitsrate von 1,9% aufweist. Von 100 Infizierten sterben demnach weniger als 2 Menschen in Deutschland daran. Von den Ergebnissen des Virologen Streeck in der Gemeinde Gangelt will ich erst garnicht schreiben, wo von 0,37% die Rede ist.

Das “Melden” von “Ausgangssperrenverletzern” wurde anno 2020 wieder “en vogue”. Staatliche Kontrollen wurden eingeführt, selbst in Wulfen war das Ordnungsamt schon in und im Umkreis unserer Eisdiele im Einsatz. Trotz sinkender Zahlen/abflachender Kurve und aktualisierter Datenbasis wird an den bestehenden Grundrechts-Suspendierungen weiter festgehalten, Versammlungen sind weiterhin untersagt, Gottesdienste zu Ostern finden nicht statt, Strafanzeigen werden erstellt. Eine tägliche Fortschreibung der Verhältnismäßigkeit der beispiellosen Maßnahmen durch die Exekutive ist nicht ersichtlich!

Nudging durch Medien und Verfassungsrichter?

Die Medien stürzen sich ohne Differenzierungen, sogar ohne kritische Untertöne, auf Ereignisse rund um “Corona”. Es spielte keine Rolle (mehr), ob eine Demo mit ~200 Leuten in Berlin am 11.04.2020 die massiven Grundrechtseinschränkungen thematisierte, bei der kaum Abstandsregeln eingehalten wurden und kaum einer einen Mundschutz trug, oder ob eine bedeutend kleinere Demo gegen die humanitäre Not in griechischen Flüchtlingslagern, auch in Berlin am 11.04.2020, unter Einhaltung des Abstandsgebotes erfolgte und dort sogar von allen Mundschutz getragen wurde.

Der große Nudge wirkt, auch bei Verfassungsrichtern. Den Hütern unserer Verfassung muss ich aber zu Gute halten, dass sie durch den Hinweis auf die Fortschreibung der Gefahrenlage ebenso einen cleveren Nudge gesetzt haben. Es muss nun, einen Monat nach Beginn der Verbote, eine strenge Prüfung stattfinden, auch zur Überlastung des Gesundheitssystems, sonst werden weitere Verbote ab dem 20.04.2020 womöglich gekippt. Gott sei Dank, es gibt ihn noch, den Rechtsstaat. Ich dachte schon, er wäre auch in Quarantäne.

Der überaus schwerwiegende Eingriff in die Glaubensfreiheit zum Schutz von Gesundheit und Leben ist auch deshalb derzeit vertretbar, weil die Verordnung vom 17. März 2020 und damit auch das hier in Rede stehende Verbot von Zusammenkünften in Kirchen bis zum 19. April 2020 befristet ist. Damit ist sichergestellt, dass die Verordnung unter Berücksichtigung neuer Entwicklungen der Corona-Pandemie fortgeschrieben werden muss. Hierbei ist – wie auch bei jeder weiteren Fortschreibung der Verordnung – hinsichtlich des im vorliegenden Verfahren relevanten Verbots von Zusammenkünften in Kirchen eine strenge Prüfung der Verhältnismäßigkeit vorzunehmen und zu untersuchen, ob es angesichts neuer Erkenntnisse etwa zu den Verbreitungswegen des Virus oder zur Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems verantwortet werden kann, das Verbot von Gottesdiensten unter – gegebenenfalls strengen – Auflagen und möglicherweise auch regional begrenzt zu lockern.

Bundesverfassungsgericht – 1 BvQ 28/20 – vom 10.04.2020

eigene Denkmuster hinterfragen

Hier, hier, und hier habe ich mich bereits mit dem Thema etwas intensiver beschäftigt, wenn Sie nachlesen möchten.

Mich gruselts beim Gedanken, künftig auf Schritt und Tritt verfolgt, beobachtet oder getrackt zu werden, um das staatliche Verlangen nach Kontrolle der von der WHO ausgerufenen Pandemie zu befriedigen. Wir sind doch nicht in China.

Achten Sie bitte auf Nudging im Alltag. Prüfen Sie die Einstellungen bei Facebook und Co. Hinterfragen Sie Ihre eigenen Denkmuster.

Schöne Ostern!

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Thema von mir aktualisiert im Juli 2020 - Marcel Merklein (c)